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Die Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen
wird immer wichtiger
09.05.2005 12:01 | von Ulrike Ostler
Rund 300 Besucher zählte der Veranstalter der 'Search Engine
Strategies 2005' neulich in München, was den Event bei den
viel reisenden Experten "gemütlich" erscheinen
ließ. In den USA kommen zu solchen Tagungen mehrere tausend.
Ihr Ziel hüben wie drüben: Mehr zu erfahren darüber,
wie sie mit den eigenen Webseiten von Suchmaschinen besser gefunden
werden.
Der anwesenden Kundschaft jedenfalls vermittelte
die 'Google University' oder auch die 'Website-Klinik', dass sie
jede Menge tun kann und muss, um die Struktur, die Wortwahl und
das Design ihres Web-Auftritts für das Ranking in Suchmaschinen
zu verbessern. Erste Hilfe können übrigens auch frei
verfügbare Tools wie 'seekbot' oder 'Xenu' liefern, von denen
es mittlerweile eine ganze Reihe gibt. Sie schauen in der Regel
nach Barrieren und defekten Links, die den Suchmaschinen das Auffinden
einer Site erschweren.
Um Hindernisse zu vermeiden, gibt es eigentlich
eine recht einfache Regel. Suchmaschinen-freundliche Seiten sind
auch benutzerfreundlich und barrierefrei. Warum das so ist, erläutert
Stefan Karzauninkat, Director Quality Management Europe bei der
Seekport Internet Technologies GmbH: "Benutzen Sie einen
Browser, wie er 1995 gestaltet war, und Sie sehen die Web-Seiten
so, wie sie sich den Robots darstellen."
Mit drei Klicks zur richtigen Seite
Suchmaschinen sind Datensammler, die lediglich
die Hypertext Markup Language (HTML) verstehen und Zeichenketten
interpretieren. Sie können weder Multimediadateien wie Bilder
oder hinreichend Flashs auswerten noch Bedeutungen erkennen. Sie
folgen Links. Je weiter weg eine Information in stark verschachtelten
beziehungsweise tiefen Hierarchien angesiedelt ist, desto schwieriger
ist sie nicht nur für menschliche Sucher, sondern auch für
die Suchmaschinen zu finden. Deshalb empfehlen sich flache Hierarchien.
"Mit drei Klicks beziehungsweise Suchmaschinen-Hobs sollte
die richtige Seite gefunden sein", sagt Karzauninkat.
Mit Hilfe von so genannten 'Deep Links' können
Suchende direkt auf eine nachgeordnete Seite springen. Bei großen
Seiten empfehlen sich Mini-, Meta- oder Teil-Verzeichnisse und
moderate inhaltliche Cross-Links. Verboten sind Linkfarmen. Die
könnten von den Suchmaschinen-Betreibern als Spam interpretiert
werden. Die URLs der nachgeordneten Seiten sollten einem einheitlichen
Muster entsprechen und keinen rätselhaften Zauberformeln
gleichen.
Frames behindern die Interpretierbarkeit, denn
Inhalte stehen in getrennten Dokumenten und werden unter Umständen
deshalb getrennt präsentiert. Vermutlich wird ihre Anzahl
ohnehin noch in diesem Jahr erheblich dezimiert. Behörden
sind nämlich inzwischen zur "Barrierefreiheit"
verpflichtet. Somit werden auch dynamische Seiten und Java-Scripts
mehr und mehr verschwinden. Denn hier folgen die meisten Roboter
den Links nicht.
Das heißt nicht, dass sämtliche Bilder
oder auch Firmenlogos verschwinden müssen. Doch sollten Bilder
beschrieben sein und das Corporate Design ergänzenden Text
erhalten. Sonst findet sich im Listing der Suchmaschine statt
einer Werbebotschaft unter Umständen nur der Hinweis der
Einstiegsseite: "Dieser Internetauftritt ist optimiert für
den Internet Explorer 6.0 und eine Bildschirmauflösung von
1024x768 Bildpunkten."
Text muss nicht schön sein, sondern auffindbar
Das Portal muenchen.de ist von Kronenberg nach
diesen Regeln verbessert worden. "Wir haben jetzt gut lesbare
Seiten und URLs", sagt der Verantwortliche. Die "Keyword-Analyse"
dagegen hält er zumindest für seine Seiten vernachlässigbar
oder nur als Tüpfelchen auf dem i. Zum einen sorge guter
Inhalt für eine gute Platzierung in den Suchmaschinen, zum
anderen gebe es hier die dominierenden Schlüsselwörter
einfach nicht.
Dagegen spielt die Bestimmung von optimalen Schlüsselwörtern
für Eduard Heindl eine große Rolle, etwa im Zusammenhang
mit Suchmaschinen-gestützten Werbekampagnen, wie etwa Google
Adwords. Die Auswahl neuer Schlüsselbegriffe setzt die Analyse
vorhergehender Kampagnen voraus unter der Voraussetzung, dass
zwar viele Wörter benutzt werden, aber nur wenige lohnend
sind. Darin einbezogen werden die Klickraten und die Kosten pro
Klick (Cost per Click = CPC). Daraus errechnen sich die Kosten.
Der Wert einer Kampagne hingegen entsteht durch den Wert des Kunden
(value per customer). Außerdem ist von Bedeutung, wie wertvoll
die Umwandlung (conversion) von Clicks in ein Geschäft ist.
Manchmal hilft aber auch der gesunde Menschenverstand. So sollte
das Luxushotel 'Bayerisher Hof' in München wohl unter den
Schlagworten 'Hotel' oder 'First-Class Hotel' in Kombination mit
München zu finden sein. Schlechte Karten dagegen haben die
Commerzbank und die Credit Suisse. Denn die Finanzhäuser
nutzen aus Sicherheitsgründen das abhörsichere Netzwerkprotokoll
Hypertext Transfer Protocol Secure (HTTPS), bei dem die Daten
über Secure Sockets Layer/Transport Layer Security (SSL/TLS)
verschlüsselt werden. Das soll die Seiten unter anderem vor
Phishing-Attacken schützen. Bis vor kurzem waren solche Sites
für Suchmaschinen völlig unzugänglich.
Bauchweh und Blähungen bei den Such-Robotern
Doch HTTPS gehört nur zu den nachrangigen
Problemen, mit denen sich die Suchmaschinen-Anbieter konfrontiert
sehen. Das Qualitätskriterium schlechthin ist derzeit die
Anzahl der Spam-Einträge in den Ergebnissen, sagt der Suchmaschinen-Guru
Danny Sullivan. Er ist Autor und Herausgeber zahlreicher Bücher
zum Thema sowie bei Jupitermedia zuständig für die Suchmaschine
auf der amerikanischen Website der Company. Zudem ist er maßgeblich
an dem Suchmaschinen-Codex beteiligt, den die Branche pflegt.
Als Spam klassifiziert er eine Seite, die keinen eigenen informativen
Inhalt besitzt oder sonst irgendeinen Nutzwert hat.
"Große Suchmaschinen gleichen einerseits
einem Buch mit 8 Milliarden Seiten. Andererseits nehmen sie eine
Qualifizierungsfunktion wahr. Sie vermerken auf welcher Position
sich ein Suchwort befindet und registrieren, wie häufig und
von wo auf eine Seite verlinkt wird", beschreibt Sullivan.
Spam-Autoren machen sich das zunutze. 'Info-Klone' etwa spiegeln
Originalseiten mehrfach, Shop-Klone wiederholen Sonderangebote.
Beim so genannten "Cloaking" bauen findige Spammer zwei
Seiten unter derselben Adresse, eine für die Suchmaschine
und eine für den Nutzer. Die Suchmaschine identifiziert eine
Info-Seite, der Nutzer erhält Werbung. Mit manipulierten
Keywords gelangt der Suchende ausgerechnet zur Website des Wettbewerbers
statt zum Marktführer.
Um solche, sowie etwa rassistische Seiten herauszufiltern,
schafft sich jeder Anbieter eigene Regeln, die mit Hilfe von Algorithmen
aber auch händisch agierender Redaktionen umgesetzt werde.
An dieser Stelle setzen neue Suchmaschinen an. Ihre Betreiber,
wie zum Beispiel Neomo, sehen eine Chance, qualitativ bessere,
passendere Ergebnisse liefern zu können. Das soll insbesondere
für nationale Einträge unter Berücksichtigung des
Jugend- und Datenschutzes sowie der Datensicherheit gelten.
Dasselbe versprechen die Großen der Branche
aber auch, und zwar durch die Eingrenzung der Suche auf Interessen.
Laut Guru Sullivan aber besteht darin die größte Herausforderung
der Suchmaschinen-Anbieter. Sie müssen ihre Nutzer davon
überzeugen, dass eine solche eingeschränkte Suche die
bessere ist. Die auf das gesamte Web ausgedehnte Suche könne
gar keine besseren Ergebnisse liefern als die spezifische, so
der Experte von Jupitermedia.
Suchmaschinen sind Dummchen
Ohnehin sind die Suchmaschinen stark verbesserungsbedürftig.
Der Wissenschaftler Dirk Lewandowski von der Universität
Düsseldorf hält geradezu Sprengstoff parat - vor allem
für all die Website-Optimierer. Die Abteilung Informationswissenschaft
der nordrhein-westfälischen Hochschule untersucht permanent
die Qualität von Suchmaschinen. Das Ergebnis: Alle schneiden
kläglich ab. Nur maximal sechs Treffer von zehn haben überhaupt
Relevanz für eine Abfrage. "Oder andersherum: Mindestens
4 von 10 Treffern sind irrelevant", erklärt Lewandowski.
Ein ähnlich katastrophales Bild ergibt sich
bei der Abdeckung. Das deutsche Web besteht aus rund 4 Millionen
Domains mit 320 Millionen Seiten. Die Suchmaschinen jedoch decken
hier gerade einmal 50 bis höchstens 60 Prozent ab. Dagegen
werden US-Sites zu mehr als 80 Prozent indiziert bei einer Tiefe
bis zu 90 Prozent. Außerhalb Amerikas werden zum Teil nicht
einmal 50 Prozent der tiefer liegenden Seiten erwischt.
Auch die Aktualität lässt stark zu wünschen
über. Obwohl die Suchmaschinenbetreiber angeben, es finde
alle 30 Tage eine komplette neue Indexierung statt, sind die Einträge
vielfach älter: "Oft sind keine klaren Intervalle erkennbar",
so Lewandowski. Den aktuellsten Index weise noch Google auf, dann
MSN Search und Yahoo. Umso wichtiger erscheint eine Einschränkung
der Abfrage nach Datum. Doch auch da versagen die Suchmaschinen.
Nur vier bis sechs Dokumente werden richtig zugeordnet.
Angesichts der boomenden Industrie rund um die
Suchmaschinenoptimierung stellt sich die Frage, ob die Bemühungen
überhaupt Erfolg garantieren können. Die Antwort des
Wissenschaftlers ist knapp: "Hier wird viel Geld verbrannt.
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